100 junge Menschen kampieren unter freiem Himmel – und keiner hat ein Smartphone in der Hand – schwer zu sagen, was heutzutage ungewöhnlicher ist. Fest steht, die jungen Leute haben mächtig viel Spaß an dem, was sie tun.

Die Natur entdecken, gemeinsam Abenteuer bestehen: Damit werben die Pfadfinder um Neueinsteiger.

„Raus aus der Elektrowelt, weg vom Alltag“, so beschreibt Tade Schröder (23) das, was die Mädchen und Jungen beim Pfadfinderstamm Parzival erwartet. Etwa 100 kommen aus den Gruppen Oldenburg, Hatten, Hude/Ganderkesee, Wardenburg und Edewecht/Bad Zwischenahn zusammen, wenn das traditionelle Lager auf dem Standortübungsplatz an der Bümmersteder Straße ansteht. Leuchtet in der Dämmerung ein Licht, dann ist es kein Handy, sondern entweder eine Petroleumlampe oder eine Fackel.

Ganz ohne die Annehmlichkeiten des modernen Lebens läuft das Lagerleben aber doch nicht ab. Das Küchenteam kocht mithilfe von Gasflaschen, das Trinkwasser wird über ein von den Pfadfindern verlegtes Standrohr aus einer Leitung des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) abgezapft und ins Lager transportiert. Abgerechnet wird dank eines Wasserzählers und vorheriger Anmeldung beim OOWV auf den Liter genau.

In diesem Jahr lautet das Motto „Lucky Luke und der Wilde Westen“. Die Zelte der einzelnen Gruppen bilden wie in einer kleinen Westernstadt eine Doppelreihe. Die Gasse dazwischen führt auf das große Versammlungszelt zu, so wie früher auf den Saloon. „Es wird jemanden geben, der Lucky Luke verkörpert und natürlich dürfen auch die Daltons nicht fehlen“, verrät Schröder, der zur Stammesführung, vergleichbar einem Vereinsvorstand, gehört.

Hinter der Jagd auf die berüchtigten, wenn auch nicht sonderlich cleveren Banditen-Brüder, verstecken sich diverse Geländespiele in unterhaltsamer, altersgerechter Verpackung. Die jüngsten Pfadfinder sind die Wölflinge (sieben bis elf Jahre alt). Dann gibt es noch die Pfadfinder (zwölf bis 16 Jahre) und Ranger/Rover (16 Jahre und älter).

Der Stamm Parzival hat fünf Ortsgruppen rund um und in Oldenburg, die jeweils aus einer Meute mit Kindern (ab sechs Jahren) und einem Trupp Jugendlicher (ab zwölf Jahren) bestehen. In Hatterwüsting ist Luis Niederstein (21) gerade dabei, eine neue Meute, so heißt eine Gruppe im Pfadfindervokabular, zu eröffnen. Treffpunkt ist z. B an diesem Dienstag, 11. Juni, bei der Kita Alte Dorfschule, Dorfstr. 27. „Wer Lust hat, mit uns gemeinsam zu toben, zu basteln und die Natur zu entdecken, kann sich gerne bei mir melden“, sagt er. Treffpunkt ist bei der Kita Alte Dorfschule. Ihm selber mache das Pfadfinderdasein auch deswegen Spaß, „weil man lernt, Verantwortung für andere zu übernehmen.“ Erreichbar ist Luis per Mail (luis@stamm-parzival.de) oder per Telefon (an Schultagen montags von 18 bis 20 Uhr) Telefon  0441 9330070. Der Jahresbeitrag kostet derzeit 59 Euro.

Der Stamm Parzival in Oldenburg ist offiziell am 14. Juli 1979 gegründet worden mit allen Rechten und Pflichten eines eingetragen Vereins. Jedes Jahr tage die Stammesvollversammlung, alle zwei Jahre werde eine neue Stammesführung gewählt, jedes Jahr die Kasse geprüft und alle drei Jahre müsse die Gemeinnützigkeit neu beantragt werden. „Und ja, wir waren und sind es bis heute Stolz darauf diesen Schritt gemacht zu haben“, heißt es auf der Homepage.

 

von Werner Fademrecht NWZ-Online (abgerufen am 10.07.2019)

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